Wichtig ist es höflich zu sein! Nicht nur beim Besuch bei Madame!

Genuss Salon 29.10.2014 keine Kommentare

Ist es besonders weiblich sich für Geschirr und Gläser zu interessieren? Das könnte „man“ meinen, doch hinter den bemalten Gedecken stecken oft die Ideen und Hände großer Meister. Heute Designer genannt. Ja, die Welt der Vergangenheit ist bezaubernd. Schillernd scheint sie gewesen zu sein, groß und großzügig. Mit Gesellschaften, Tafeln voller feinster Genüsse und im Anschluss daran: Tanz: ich darf Sie bitten, Madame!

Im Palazzo Madama finde ich mich für einen Augenblick in so einer Welt. Barock  muten die Decken und Böden an. Faszinierend dieser Platz. Mitten in Turin auf der Piazza Castello in bester Nähe zum Palazzo Reale öffnen sich die Türen.

Das Leben von damals hat sich ein klitzkleines bisschen in die Neuzeit geschummelt. Es ist völlig real, dass ich hier stehe und mich umsehe. Auf der Karte wird der Ausblick von heute dargestellt.

Und? Ja, ich blicke von der Karte auf und schaue aus den großzügigen Fenstern des Palazzo direkt auf die Piazza.

In der Ausstellung um mich herum stehen Vitrinen mit handbemalten Kostbarkeiten. Für jede Gelegenheit gab es das passende Geschirr. Dazu große Schalen, Karaffen und Körbe für Ausflüge. Versteht sich, es ist eben alles angemessen – bei Madame.

Ich vernehme Rascheln, leises Gekicher. In meinen Ohren summt Musik. Barocke Klänge. Draußen auf dem Platz wiehern die Pferde. „Madame? Es ist aufgesattelt. Die Gäste warten bereits.“ Das Rascheln kommt von den langen Kleidern. Damen zu Pferd sind erlaubt, doch selbstverständlich sitzen sie im Damensattel und tragen entsprechende Kleider.

Die Zeit steht still. Für einen Moment des Glücks. Jetzt im Herbst reiten wir aus zur Jagd. Na, die Herren. Wir, die Damen dürfen als schmückendes Beiwerk glänzen und selbst das, ist bzw. war schon eine große Errungenschaft.

Drinnen im Salon werden die Tische gerückt, das Silber ist geputzt und die passenden Teller stehen für das Festmahl bereit. 

Es gibt Suppenterrinen, die sind so groß, dass eine Kleinstadt mit dem Inhalt ernährt werden könnte. Tischtücher, Tischläufer und hübsche Trockentücher liegen überall bereit; sollte ein Kleckerer unter den Gästen sein. Na, aber bitte!

Ja die gute alte Zeit! Zu Pferd sitze ich auch in diesem Jahrhundert immer mal wieder gern, aber bitte nicht in langen Kleidern und wenn ich im Damensattel säße, oh herje. Da würde ich beim ersten Antraben schon auf der Erde landen.

Doch eins ist sicher: auch heute ist der schönste Platz aller Feiern in der Küche. Immer dort, wo sich die Gäste wohl fühlen. Dort wo es Nachschub für den Gaumen gibt und wir gemeinsam lachen. Uns übermütig noch das eine oder andere Häppchen in den Mund stecken. „Na komm mal her, Du hast ja überall Tomatensauce“ schnell zum Küchentuch gegriffen, „hat ja keiner was gemerkt.“

Ach ja, so kann auch das Leben im Herbst 2014 mit einer Portion Höflichkeit gepaart mit scharfsinnigem Geist genüsslich und wundervoll sein.

            Katrine
Lihn
– mit einem Seufzer, ach!

Wichtig ist es höflich zu sein! Nicht nur beim Besuch bei Madame!

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