Schneewittchens Revolte

Genuss Salon 26.06.2016 2 Kommentare

Figur im Park SanssouciDie Schönheit und die Makellosigkeit sind Ideale einer vergangenen Zeit. Geschichte. Märchen. An meiner Tafel sind sich alle Frauen einig, Perfektion ist langweilig, gewünscht sind Individualität und Eigensinn. Ja, das schöne Schneewittchen liegt im gläsernen Sarg, getötet von einer Frau. Hui, hui, kann das sein? Wie gehen Frauen mit Machtverhältnissen um? Eine Frage, die stark diskutiert wird. Frauen schaffen es nicht sich ihre Weiblichkeit zu erhalten, wenn sie in Führungspositionen sind. Sie werden hart und den Männern ähnlich. Stimmt das noch? Sicher hängt die Frau sehr stark an der Angeln des jeweiligen Unternehmens und ihres direkten Vorgesetzten; in einem Unternehmen wie der Deutschen Bank sind die Regeln eiskalt, denn es geht um Profit und Gier, ähnlich scheint dies in den meisten DAX-Unternehmen zu sein.

 

Frauen haben es schwer sich ihre Weiblichkeit und Weichheit zu erhalten. „Bei einer Präsentation, die Anwesenden direkt anzuschauen und auch mal zu lächeln, das löst bereits größte Irritationen aus.“ Ja, hier sitzen bei mir heute Frauen, die sich auskennen mit Hierarchien und der Kontroverse zwischen Frau-sein und Selbstbewusst-sein.

 

gemischter bunter SalatMich erschreckt, dass die jüngeren Frauen immer noch unter diesen Despotismus leiden (müssen). Hat die Emanzipation versagt oder woran liegt es, dass sich Frauen nach wie vor mit der Führung schwer tun?  In den Chefetagen des Mittelstandes mag das vielleicht anders sein. Ich stecke gar nicht mehr drin in diesen Prozessen und die meisten Frauen die ich kenne sind tatsächlich selbständig. Aus gutem Grund oder als Folge des Erlebten sowie resultierendem Frust. „Es ist doch ein Unding, dass ein Unternehmen wie VW nicht mal einen Betriebskindergarten hat!“ Meine Gäste ereifern sich zurecht. „Die Revolte“ an der Tafel ist in vollem Gange, als ich in der Küche die letzen Handgriffe tätige muss ich ehrlich und innig schmunzeln und husche mal eben über den Flur „also mit der Revolte scheint ihr das hier ja gut hinzubekommen. Tut mir und Euch einen Gefallen: lasst die Politik vom Tisch und sprecht mit einander und nicht durcheinander.“ Zurück in der Küche höre ich die Wortfetzen „Frau Merkel darf ja nicht mal ihren Busen zeigen“ direkt gefolgt von „Frauen haben kein gutes Verhältnis miteinander, es zu viel Konkurrenz anstatt Frauenpower!“

 

Die Kunstfigur Schneewittchen mit geilen ZwergenDer innere Konflikt ist vorhanden. Die kognitive Dissonanz wird hoffentlich von den jungen Leuten, den nächsten Generationen anders gelegt und möglicherweise sogar komplett verbannt. „In den Start-ups in Berlin gibt es keine Hierarchien, es gilt gelebtes Miteinander.“ Ob das funktioniert wird sich zeigen; denn auf Gerangel folgt oft der Absturz wenn es keine Grenzen gibt. Was passiert, wenn Termine platzen, die Gehälter nicht gezahlt werden können? Hat keiner die Mütze auf, wer trägt die Verantwortung? Die Gemeinschaft. PUH! Mittendrin sitzen und diskutieren wir. Welch großartiger Abend. Voller Energie, Lust auf Gespräche und Miteinander. Wie sieht es mit den eigenen elementaren Gefühlszuständen aus?

Ich bitte meine Gäste um ein Schlusswort. Ein oder auch zwei Worte zur Schönheit Schneewittchens, also wie ist es nun mit der Definition des Makels und wohin legen wir unseren eigenen Filter? Überraschende Antworten: alle Anwesenden sind sich einig: die Schönheit liegt im Auge des Betrachters und der Makel ist keiner. Chapeau meine Damen! Einen Schlusssatz mache ich nun zu meinem eigenen: „Der Wunsch, dass sich Frauen gegenseitig unterstützen, erniedrigende Formen des Zickenalarms aufhören; denn in der Gemeinsamkeit liegt unsere Stärke.“

JA! Mein Wunsch ist es außerdem, dass wir uns mit ungewöhnlichen Gedanken vertraut machen, gemeinsame Schritte unternehmen und uns so achten wie wir sind. Begeben wir uns also auf eine Entdeckungsreise, die jenseits von Dogmen Entfaltung findet, lassen wir uns ein auf Überraschungen zu neuen Gedanken ohne moralinsaures Zicken-Stuten-Rumgezetere.

Bis zum nächsten Ma(h)l – diese Runde wird sicher wieder treffen, denn wir hätten noch die komplette Nacht weitersprechen können. Herrlich, ich danke Euch sehr!

Katrine Lihn – voller Energie der gesprochenen Weiblichkeit

 

 

Schneewittchens Revolte

2 thoughts on “Schneewittchens Revolte

  • 28. Juni 2016 at 11:03
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    Was wir als Frauen heute oft unterschätzen, ist, dass es für uns in den letzten tausenden von Jahren (und weltweit betrachtet immer noch!!!) mehrere Überlebensstrategien gab und gibt. Und mit Überlebensstrategien meine ich Überlebensstrategien! Also „Regeln“, deren Nichtbeachtung zu Tod oder zumindest zur Ausgrenzung, Defamierung und/oder zum sozialen Abstieg geführt haben. Und diese Regeln waren: Ordne dich unter! Sei keusch und züchtig! Gib deine Spiritualität ab! UND. Sei schön! (sonst findest du keinen Mann, und ohne Mann kein Status, kein Überleben).
    Andersherum gesagt: Frauen, die sexuell frei aktiv waren, sich spirituell betätigt haben, Macht angestrebt haben und sich nicht unterordnen wollten haben in der Vergangenheit in Mitteleuropa nicht überlebt oder ein Dasein am Rande der Gesellschaft geführt und werden auch heute noch weltweit geschlagen, gesteinigt, ausgegrenzt, gedemütigt, gezüchtigt, getötet. Diese Überlebesstrategien sitzen uns im Nacken, sind in uns nach wie vor präsent. Das zu verstehen und anzuerkennen ist der erste Schritt, um die damit einhergehenden Begrenzungen loszuwerden….
    Wer mehr dazu wissen möchte, hier zwei von vielen Büchern, die superinteressant sind zu diesem Thema: „Ehe – ein Seitensprung in der Geschichte“ von Marie-Luise Schwarz-Schilling und „Misogynie – die Geschichte des Frauenhasses“ von Jack Holland

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  • 28. Juni 2016 at 16:55
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    Danke für diesen ausführlichen Kommentar, liebe Martina und Danke, dass Du an diesem Abend mal wieder an meiner Tafel gesessen hast, das war sehr bereichernd. Auf bald und mit einer Umarmung von Katrine

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