Geliebter Sonntagskuchen

Genuss Gastrosophie (Tipp) 05.02.2017 keine Kommentare

12-10-16_maedels_framesuessDie kulinarische Vielfalt des Käsekuchens ist sprichwörtlich in aller Munde. Als geliebter Sonntagskuchen hat er allerdings ausgedient. Diese altmodische Tradition der Kaffeetafel wurde wie der Sonntagsbraten auf das Abstellgleis des Immer-haben-wollens gestellt.

Mir egal; meine Idee geht auf das Sonntagsritual zurück, wundervoll die Zeit mit Familie und Freunden zu nutzen, sich dem Genuss hinzugeben um sich am Gespräch zu laben.

Mein heutiger Tag gehört der Erinnerung, das fühlt sich ein bisschen wie Sehnsucht nach Geborgenheit an.

In solchen Momenten wie diesen schmecke ich die Heimat auf der Zunge und bin ganz versunken mit mir und meinen Gedanken. Da tut es gut, sich in die Küche zu stellen und einfach die Hände machen zu lassen. Es ist mein ganz persönliches Phänomen, dass dabei die besten Köstlichkeiten entstehen. So eine Art Kopf-über-Herz-koch-Situation. Damit fühle ich mich entspannt und kann den ganzen Tag mit mir allein rumwerkeln, rühren, schmecken, schnipseln und schneiden.

 

Geliebter Sonntagskuchen

Bei diesen Erinnerungen spielen die Klassiker meiner Großmutter Martha eine entscheidende Rolle. Der geliebte Sonntagskuchen war bei ihr der Käsekuchen ohne Boden. Sie verwendete Quark, Eier und Gries. Bereits in den 1960-ziger Jahren gab es verschiedene Variationen des Käsekuchens: mit Rosinen, mit Puddingpulver, mit Dosenmandarinen (eijeiei) – die große Alternative zum klassischen Käsekuchen war ein Blech mit Hefeboden und einer dicken Schicht Eierschecke (das backe ich zu Ostern und werde es dokumentieren; denn für mich sind diese Gedanken reinste Kindheit, ich schmecke jetzt beim Schreiben den Zucker auf meiner Oberlippe … ohhh). Das werde ich nicht für mich behalten, versprochen!

Mit den kleinen Miniküchlein oben auf dem Foto hat die alte Kuchengarde absolut nichts mehr zu tun. Das sind diese süßen Stückchen, die sich auf die Zunge legen, als hätten Engel Pipi drauf gemacht. Ähm, Verzeihung, ist aber so. Den guten Käsekuchenklassiker halte ich wirklich in Ehren, die Erinnerung an die Zeit in Omis Küche sitzt ganz tief in meinem Herzen. Doch, ich kann es nicht leugnen, das Alles hilft nicht, ich bin verrückt nach diesen leckeren Käsekuchen-Cheesecake-Minis. Diese Verliebtheit lässt sich nicht erklären! Wie es eben ist im wirklichen Leben mit der Liebe, sie ist unerklärlich und befällt seit Jahrhunderten die Menschen immer wieder völlig unerklärt. Is so!

Keksboden oder Blindbacken?

05.02.17_BlindWie komme ich denn nun von der großen Liebe zum Mürbeteigboden? Na, ich versuche es mal so:

Die großen Gefühle des Zubereitens sind nicht zu unterschätzen, damit die Liebe wirklich durch den Magen direkt in’s Herz der oder des Angebeteten geht, gibt es kleine Regeln und Formeln zu beachten. Blindbacken hat ganz und gar nichts mit blind vor Verliebtheit zu tun, dies sei der guten Ordnung halber erwähnt.

Eher im Gegenteil, das Blindbacken macht eher sehend, also philosophisch betrachtet braucht der Teig diese Aktion zum guten Gelingen! Sonst wird aus der Liebe zum knusprigen Boden eher Matsch; denn die Creme (egal ob süßer Käsekuchen oder herzhafte Quiche) weicht den Boden auf. Diese kleine Mühe lohnt sich nicht nur, aus meiner Sicht ist sie ein Muss. Ähnlich wie in der Liebe und dem Miteinander sind es die Kleinigkeiten, die das große Ganze ausmachen. Aha!

So geht dann wohl Käsekuchen für die Liebsten! Ich bin gespannt, ob mir Jemand sein Lieblingsrezept verrät. Es  würde mich sehr freuen, wenn hier in den Kommentaren oder per Mail (ed.nh1670409918ileni1670409918rtak@1670409918ssune1670409918g1670409918) das eine oder andere Wort über die Zubereitung eines Lieblingskuchens erscheint. Ideen und Rezepte meiner Leser, als Wohlwollensbekundung und Freundschaftsdienst.

Nun zurück zum Cheesecake mit seinen verschiedenen Böden: der bekannte Keksboden kann mit Schoko-Vollkorn oder Butterkeksen hergestellt werden. Im Winter liebe ich Schokoladenteig, dann bekommen die Stückchen so einen herrlichen Browniecharakter. Dazu lege ich eine Kastenform (zwanzig mal zwanzig Zentimeter) mit Packpapier aus und rühre einen Teig aus 150gr Schokolade geschmolzen in 100gr Butter + 100gr Zucker, dazu kommen 150gr Mehl, ein Ei, ein Teelöffel Weinstein und eine Prise Salz.  Dieser Boden wird dann gebacken und muss auskühlen, bevor er weiter verarbeitet werden kann.

Backen oder nicht?

05.02.17_Oreo Für einen wahrhaftigen Cheesecakes muss jedoch ein krümeliger Keksboden her. Interessant finde ich, dass es selbst in meiner Kindheit solche Kuchenböden gab. Wer kennt ihn nicht, den Philadelphiakuchen?

Dafür wurden Löffelbiskuit mit geschmolzener Butter in eine Form gedrückt und halt gestellt. Herrliche Errungenschaften der späten achtziger Jahre. Das hat meine Großmutter (leider) nicht mehr erlebt. Alles hat eben seine Zeit. Käsekuchen, Großmütter, Sonntagsbraten …

Heute werden die Keksböden manchmal sogar gebacken, damit sie mehr Stabilität erhalten. Das ist eine Art Glaubensfrage und ich bereite die Böden mal so und mal so zu. Eine Regel gibt es in meiner Küche dafür nicht. Es gilt zwar, dass beim Backen Mengen und Abmessungen unbedingt einzuhalten sind, doch ob der Boden nun gebacken wird oder nicht, hat bei mir bisher keine Rolle gespielt. Also, nicht falsch verstehen: das gilt für den Keks-Butter-Boden, so wie Mehl mit Eiern in’s Kuchenspiel kommen, muss gebacken werden, dann ist es ja Teig kein Keksboden. Logisch!

 

Frischkäse – Ricotta – Quark

05.02.17_HerzWozu welche Basis nehmen? Der klassische amerikanische Cheesecakes wird mit Frischkäse und Eiern aufgeschlagen. Das ist sehr gehaltvoll und kann mit Joghurt etwas gemindert werden. Kann, muss aber nicht.

Die Variationen sind schier unendlich. Die pure Lust ist ein perfekter Ratgeber. Schokoschock oder Frucht, das ist hier die Frage.

Im Winter kann ich gar nicht genug von Schokolade und Nüssen bekommen, gehaltvoll und absolut glücklich machend. Jedes Stückchen die vollendete Erfüllung, wie ein warmer Kuss.

Zum Frühling macht sich ein leichtes Zitronenaroma gut und wie hier auf dem Foto ein Fruchtspiegel aus Orangen-Zitronensaft. Darauf warten wir nur noch acht Wochen, hoffe ich!

Später, wenn sich die Bären aus den Büschen schlagen, da geht wohl grad die Phantasie mit mir durch; ich meine natürlich wenn die Beeren süß und prall an den Sträuchern hängen, gibt es kein Halten mehr. Die Kuchen große, kleine, runde, eckige, Minis oder ganze Bleche voller Früchte zwischen, unter und auf Käsecreme mit und ohne Schlagsahne.

Mein Sonntäglicher Sommertraum, mein ganz persönlicher Heute-Sehnsuchts-Ort. Manchmal ist es aber auch schwer auszuhalten, mit den Ideen von Genuss, Liebe, Sehnsucht und Schmachterei. Und dann ist es bis zum geliebten Sommer auch noch sooo lange hin, seufz! Hilft alles greinen und seufzen nichts. Sprechen wir lieber über …

…. meine Lieblinge

Die Backstube ist geöffnet, die heimische Küche gut angewärmt. Draußen ist es grau und ich tröste mich heute wie oben schon erwähnt mit süßem Genuss! Da stehen Schüsseln mit gehobelter Schokolade, neben Bechern mit steif geschlagenem Eischnee sowie dicken Wattewolken aus süßer Sahne. Im Hintergrund spielen leise italienische Weisen. Wie sie oft denke ich darüber nach, dass es möglich ist, sich mit Käsekuchen in eine bessere Welt zu schmecken. Also grundsätzlich mit dem Genuss, von dem ich nach wie vor felsenfest überzeugt bin, dass er die Seele öffnen kann. Die eigene Geisteshaltung sowie die der Anderen lässt sich durch die Phantasie der Küche, des Geschmackes in positive Bahnen lenken. Meine Lieblinge sind die frischen Begleiter, die kühnen Genüsse, die das Herz erreichen – gutes für Körper und Geist.

Da bin ich ganz eins mit Hermann Hesse „Man muss das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen.“ 

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen und Euch einen wundervollen Sonntag!  Egal ob mit oder ohne Kuchen, ob allein oder in einer Runde liebenswerter Menschen, in der Hauptsache mit einem lebensbejahenden Blick nach vorne.

Herzlichst Ihre und Eure Katrine (Lihn)

 

 

Geliebter Sonntagskuchen

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