Matjes trifft Bommi

Genuss Gastrosophie (+Rezept) 04.07.2018 keine Kommentare

Geliebte, gelebte Tradition: Matjes trifft Bommi! 1961 lernen meine Eltern im Skiurlaub ein Paar aus Hamburg kennen. Da beginnt eine Freundschaft, voller Gemeinschaft, Miteinander, Genuss und Reisen. Über den Tod hinaus besteht diese Verbindung in unserer Familie bis heute fort. Eine meiner tiefen Erinnerungen ist das Matjesessen. Früher fand dieses Treffen der Freunde immer in Hamburg statt. Der Matjes kam im Original Hollandfäßchen in’s Haus. Heute „schwimmt“ der Matjes via Hamburg nach Osterode zu MamaJutta in mein Elternhaus.

 

Freundschaft nach Art des Hauses

Matjes trifft Bommi

 

Mir bedeutet diese Tradition sehr viel! Über die Generation der Eltern hinweg ist eine Freundschaft nach Art des Hauses entstanden, die sicher nicht so häufig vorkommt. Gut so! Matjes trifft Bommi ist seit ein paar Jahren die Losung für einen Abend im kleinen privaten Kreis. Der Tisch ist liebevoll gedeckt. Es gibt Bier aus Altenau, eiskalten Bommi und frische Kartoffeln. Butter und Salz sind selbstverständlich, eigentlich also gar nicht erwähnenswert.

Gleichwohl gibt es seit dem vergangenen Jahr eine Art Hausfrauensauce zum jungfräulichen Matjes. Klassisch ist das auch, kam jedoch früher bei den Hamburger Freunden nicht auf den Tisch. Pöff! Uns egal; denn diese Creme aus kleinen Gürkchen, geriebener Zwiebel, Apfel, Schmand, Schnittlauch und etwas Dill schmeckt himmlisch! Ein schlichtes gutes Rezept dazu gibt es HIER.

MamaJutta hat diese Sauce für uns gezaubert, damit zusätzlicher Genuss auf den Tisch kommt. Das ist so typisch; jeder Gast soll sich wohlfühlen und etwas Köstliches genießen können. Liebe geht seit Kindertagen durch meinen Magen! Der zentrale Punkt meines frühen Lebens war der Esstisch. Hier gab und gibt es die Gespräche! Köstlichkeiten aus dem Land, von Bauern denen wir die Hand geben. So bin ich groß geworden, das hat mich geprägt. Die Gemeinschaft, die Freundschaft und die Liebe zum Genuss.

Mein Hamburger Patenonkel Horst, der früher die Matjes direkt aus Holland kaufte, war ein Feinschmecker. Ihm verdanke ich nicht nur die Freude am jungen Holländer, er und seine Frau Inge liebten die Tischkultur. Mit diesen beiden längst verstorbenen Menschen verbindet mich meine Liebe zu Hamburg, der unvergessene Genuss der Roten Grütze mit Vanillesauce sowie eine ehrliche Freundschaft nach Art des Hauses. Über fünfzig Jahre besteht diese Verbindung der Familien! Darauf trinken wir den ein oder anderen Bommi … Prost!

 

Matjes trifft Bommi

 

Der neue Holländische Matjes ist eine Delikatesse. Jedes Jahr warte ich sehnsüchtig auf ihn. Früher wurde er ab dem 14. Juni in den Handel gebracht, heute sind die Regeln andere. Fett genug müssen die kleinen Fischlein sein, das Verkaufsmerkmal sind 16% Fettgehalt. Vor zwei Wochen war ich in Venlo auf dem Wochenmarkt. „Der Nieuwe“ wie der neue Matjes dort heißt, wurde mir mit breitem Lächeln angeboten. Widerstand zwecklos! Ab auf die Hand und dann direkt in den Mund. Augen schließen und gaaaaanz tief seufzen. Wer braucht da ein Brötchen? Ich nicht!

Beim traditionellen Abendessen: Matjes trifft Bommi geht es gesitteter zu. Da kommen die Fische auf Platten, wir essen mit Messer und Gabel, also bitte! Das kalte Bier schmeckt frisch und hat als Harzer Urstoff einen festen Platz in meinem Kühlschrank. Was dem Kölner sein Kölsch, ist dem Harzer eben dieses Stöffchen. Ehrlicherweise schmeckt mir das Dorster Kesselbräu fast genauso gut, allerdings ist es nur schwer zu ergattern.

Matjes satt. Das ist eine gute Devise, egal ob mit Kartoffeln, Schwarzbrot oder einfach „nackt“ diese Tradition schmeckt mir! Vorsicht ist jedoch geboten, denn zu viel des guten Genusses und das Bäuchlein schlägt Alarm. Der ungewohnt hohe Fettanteil macht sich bemerkbar, da hilft der Schnaps … Na, ich bin nicht sicher, denn besser wäre wohl ein heißer Tee, och neeee.

Für mich ist es wieder so deutlich, Essen ist viel mehr als Nahrungsaufnahme. Mein Plädoyer für den familiären Essenstisch wird in den nächsten Wochen (wieder) einen größeren Raum einnehmen. Die kulinarische Alltagsfrage lässt sich aus meiner Sicht lösen: Die Antwort lautet, koch doch einfach! Einkaufen, schauen und machen, ganze Generationen haben sich darüber keine Gedanken gemacht. Sie haben es einfach gemacht!

Hier am Beispiel des Matjes trifft Bommi ist es so sichtbar: Matjes kaufen, Kartoffeln waschen kochen, Sauce muss gar nicht sein, es würden ein Stück Butter und Salz reichen. Es ginge sogar ohne Kartoffeln mit Schwarzbrot und dazu vielleicht ein Bund Radieschen. Genug davon für heute. Mehr dazu in der kommenden Woche: Wer kocht heute, werde ich Dich fragen und bin gespannt, wer antwortet.

Heute sage ich herzlichen Dank für dieses Miteinander, die wundervollen Erinnerungen, Gespräche und diese Gemeinschaft aus Kindertagen. Wie schön, dass es Dich und Euch in meinem Leben gibt!

 

 

Katrine Lihn – was so ein Matjes alles kann 😉

 

 

 

 

Matjes trifft Bommi

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