Eine Reise durch die Zeit ohne Tüdelütt

Genuss Salon 16.03.2015 keine Kommentare

Wenn es einen großen Topf Suppe gibt und die Ostereier „kiloweise“ auf dem Tisch verteilt liegen, dann kommen die „Tanten“ zum Geburtstag. Seit mehr als sechzig Jahre kennen sie sich. Jedes Kind haben sie „gemeinsam“ geboren und schon einige Ehemänner begraben. Ja und manch treue Weggefährtin liegt auch schon auf dem Friedhof. Ein Leben in der Kleinstadt, mit allem Wohl und Wehe. Hier wird nicht gejammert, hier wird gemacht. Gemeinsam wird durchlebt und wenn es nötig ist, geholfen. Der Traum jeder Frauengruppe: weder Tantra noch Tamtam; das Wort gilt. Einstehen und aufstehen. Kein Tratsch und Klatsch – naja so in handelsüblichen Dosen, wie er Allen Spaß macht, niemals kränkend oder gar verletzend. Ein bisschen Gekicher, mal hier, mal da, mit kleinen Juchzern und dem Herz am rechten Fleck.

Zum Mittagessen in guter Tradition

Die aktuellen Themen gelten weder Enkeln noch Urenkel. Weit gefehlt. Die Damen sprechen über Tagesgeschehen, kennen Zeitzeugen und tauschen sich rege aus. Politik, Kultur und auch mal Reisen stehen im Vordergrund. 

Dabei wird die Vergangenheit nicht unter den Teppich gekehrt. „Weißt Du noch?“ und „ach ja, ich kann mich noch erinnern als wir im Sommer 1970…“ ich liebe diese Sätze und die Stunden mit den Damen der Gesellschaft. Früher waren sie bis auf wenige Ausnahmen alle meine Tanten. Die sogenannten Nenn-Tanten, es war nicht schicklich die Freundinnen der Mutter mit Vornamen anzusprechen. Ja sicher, seit langer Zeit sprechen wir uns nun schon mit Vornamen an.

Das Essen, sonst treffen wir uns auf Augenhöhe!

Sie sind modern und aufgeschlossen. Nichts mutet an wie früher auf dem Land.   Und dennoch ist es für mich mit den „Tanten“ und MamaJutta ein großes Stück Heimat und vor allem Kindheit. Ich erinnere mich an die Zeiten in den Küchen, als wir Plätzchen buken, Kirschen einkochten oder bei Tante Dita ganz mondän, ein amerikanisches braunes Erfrischungsgetränk mit Eis und Zitrone durch dicke Strohhalme sogen.

Gartenfreude

Als ich mit den Kindern durch die Gärten tobe, wir in die Beete laufen und mit verschmierten Mündern vom frischen Obst und Hagebuttentee hüpfend und lachend die Wochenenden gemeinsam verbringen. Ach ist das lange her!

Die Suppe weckt die Erinnerung, denn sie schmeckt wie immer. Einfach mit Kartoffeln, Möhren und Sellerie gekocht. Ein paar Kräuter schwimmen im Topf. Alles wurde durch die Flotte Lotte gedreht und dann mit frischer Sahne aufgeschlagen. Kein Firlefanz, kein Tüdelütt. Suppe einfach, heiß und gut. Danach kommen noch mehr Brote und Platten von Käse auf den Tisch. Ich staune wie immer und höre lachend einen mir sehr bekannten Satz: „Da staunst Du, dass wir immer noch so gern so viel Käse essen.“ 

Ein kleines Paradies

Aus dem Staunen komme ich nicht raus, wenn ich die Geschichten der vergangenen Jahre höre. Immer wieder gilt es für mich Neues zu erfahren. Liegt es an der Gegend? An diesem verträumten Grün? Freundschaften über so viele Jahre fordern und fördern, das ist sicher eine Erklärung. Auch, dass hier die Gemeinschaft einfach vor Ort ist und nur wenige „Neue“ dazu kommen sind.

Für mich war das ein wundervoller Tag. Es ist sehr besonders sich mit diesen Frauen zu unterhalten, die schon an meiner Wiege standen. 

  

                     Katrine
Lihn – im Kindheitsmodus

Eine Reise durch die Zeit ohne Tüdelütt

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