Ein kulturelles Experiment

Genuss Gastrosophie (Tipp) 01.03.2017 keine Kommentare

Die Welt ist so klein geworden, überall können wir per Internet sein und doch gibt es wenig echte Berührungspunkte. Sprechen wir also miteinander. Es wird Zeit für eine globale Konversation; Lebenssprache englisch. JA, das ist mal nicht eben so zu machen, meinen Sie? Die jungen Leute, denen ich begegne sprechen alle mehrere Sprachen. Nicht fließend, aber tauglich. So geht es mir auch. Time to talk!

Ein kulturelles Experiment

Essen und Genuss verbinden. In der Jetztzeit stehen besonders die jungen Menschen, die zwanzig bis Ende Dreißigjährigen auf die neue Art der Food-Bewegung. Diese wird mit einer besonderen Art des Reisens gewürzt – auch „slow-travel“ genannt.

Hier in Kapstadt ist das ein Riesengeschäft, überall entstehen neue Foodmarkets, drinnen wie draußen und es gibt Smoothies in Hülle und Fülle, aber auch Springbok und Biltong. Diese Fleischarten kenne ich gar nicht und bin schon gespannt, sie mir auf die Zunge legen zu können (ich werde berichten).

In der Szene rund um’s Modernfood bin ich eher die Silberfüchsin unter den Youngstern, stört mich nicht, weil es diese Generation auch nicht stört. Sie sind offen und lassen sich begeistern von meiner Erfahrung und meinen Ideen. Okay, das ständige raw and roxy, zuckerfrei und vegan geht mir schon (manchmal) auf’s Hörnchen; dennoch Jeder wie er mag. Die Tradition kommt außerdem international eher zurück als bei uns in good-old-Germany. In den angesagten Magazinen lese ich von „traditional cuisine“ und dem nächsten Step der „modern art of Family style kitchen“. Diese Art gibt es bei uns auch schon, sie meint das Miteinander speisen, manchmal auch zusammen in der Küche zu arbeiten und auf jeden Fall am Tisch zu sitzen. Das frisch Gekochte wird in Schüsseln serviert, dies meint vor allem „family-style.“ Das trifft auf meiner Zielscheibe genau die Mitte und ich werde dies Form des Essen sehr unterstützen!

Leben ist das, was einem begegnet

Sich etwas zu gönnen, sich Zeit zu nehmen, das scheint in Kapstadt auf der Tagesordnung zu stehen. Die Clubs, Bars und Restaurant sind ausgebucht und es kommt mir so vor, als würden sich die Bedürfnisse neben Arbeit und Wohnen sehr am Genuss orientieren. Es gibt Orte, die Jeder kennt und an denen auch ich unbedingt gewesen sein muss.

Der berühmte The Potluck Club auf dem Gelände der Old Biskuit Mill ist so ein Ort. Hier sind die Tische Monat für Monat ausgebucht und nur eine rechtzeitige Onlinebestellung nebst Anzahlung pro Stuhl sichern den Platz zum Lunch. Meiner Gastgeberin Nane von Hüne habe ich es zu verdanken, dass ich einen Fuß in diese herausragende Location setzen kann. Sie hat im Vorfeld meines Besuches, diverse Tische bestellt und versucht meine Wünsche in die Tat umzusetzen. Großartig und vielen Dank an dieser Stelle ausdrücklich dafür!!

Im Potluck sitzen wir in Mitten eines internationalen Publikums im Trendbezirk Woodstock, der bis vor wenigen Jahren noch eine absolute No-go-Area war. Das Restaurant tront auf dem Gelände der alten Fabrik (Old Biskuit Mill) und bietet mit seinen Glasfronten einen Traumausblick.

Die Küche ist offen und serviert wird eine fantastische Mischung aus Asia-Afrika-Experimenten. Die neue Form des „sharing-life“ kommt zeitgemäß auf die Tische, denn gemeinsam werden fünf bis sieben Gerichte bestellt, so läßt sich die Auswahl probieren. Im Sinne des Küchenchefs nehmen wir der Kreationen unserer Speisen mit Stäbchen zu uns.

Der gelebte Traum

Ein neuer Lieblingsplatz ist dieser Club auf jeden Fall, doch davon gibt es noch so viele mehr.

Die kulinarische Szene ist ein Herzstück meiner Reise! Meine kühnsten Träume werden übertroffen, es ist unfassbar welche Vielfalt abgeschmeckt mit Ideenreichtum auf die Teller kommt. Hin- und hergerissen zwischen Schlemmen, Gucken und Ausprobieren ist es really quite good food auf hohem Niveau mit dem schalen Beigeschmack, der zum Himmel schreienden Armut auf der anderen Seite. Was kann ich tun? Nichts! Das ist der andere Preis dieser Reise. Es gibt Hopp nicht ohne Flopp.

Ganz gegen meine sonstige Devise hilf da nur eins: Augenzu und durch! Die nächsten Pläne stehen fest: ohne den Besuch am Kap der guten Hoffnung und einem Abstecher in die berühmten Weinlagen werde ich Südafrika nicht verlassen. Natürlich will ich das Kunstmuseum besuchen, an die Waterfront und in den Beach Club. Perfekte Tage sind nicht mein Ziel, aber einen Rundblick um die Facetten der Schönheit, des Wassers aber auch des Alltäglichen.

Es lässt sich nicht leugnen, dass Kapstadt mir in’s Herz greift! Die Vielfalt, der Puls der Zeit, die kreative Szene und dann wieder stockt mir der Atem bei all der Armut und der Ignoranz, die ich augenscheinlich wahrzunehmen glaube. Es lässt sich nicht beurteilen, also ich tue das nicht und finde es auch vermessen, gradezu unverschämt mir anzumaßen zu verstehen, wie das Leben hier tickt.

Es mag mein europäischer Blick sein, der sich nicht zufrieden geben mag zwischen bettelnden Kindern, glitzerndem Luxus und Menschen, die ohne Strom und fließendem Wasser leben. Noch nie zuvor sah ich so viel Glamour neben Elend und Dreck.

Ihre und Eure Katrine (Lihn) – Kapstadt scheint Charme + Schande …

 

 

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