Peer Gynt und die rote Zwiebel

Genuss Gastrosophie (+Rezept) 08.08.2018 2 Kommentare

Geschichten und Wahrnehmungen sind das eine; Peer Gynt und die rote Zwiebel heute das Andere. Letzte Woche versprach ich vollmundig mich diesem Burschen zu nähern. Etwas Philo- mit Gastrosophie zu mischen. Nun, was ich zusage halte ich! Viel lieber würde zwar über Berge, Wolkenfetzen und fliegende Gedanken sprechen; doch es bleibt dabei: Peer Gynt und der Vorhang hebt sich.

Der Blick auf die Dinge, Werte er- und leben das ist nicht das Ding dieses jungen Mannes. Einen Träumer hat Henrik Ibsen geschaffen. Einen der lügt, wenn er den Mund aufmacht. Oder ist er ein fantastischer Geschichtenerzähler? Einer der in der heutigen Zeit in einem Beach Club „Fake news“ verbreitet und mit einer geklauten goldenen Kreditkarte bezahlt – einer der twittert was das Zeug hält. Einer, der vielleicht gern ein Anderer wär. Wer kann das schon sagen?

 

Die rote Zwiebel hat keinen Kern

Peer Gynt und die rote Zwiebel

 

Wer bin ich – wenn ja, wieviele, dieser philosophische Satz von Richard David Precht beschäftigt sich mit dem Sein und Sinn nach den Ideen Immanuel Kants. Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Ein Thema das die Welt beschäftigt! Nun gut, nur ein paar Zeitgenossen. Aber immerhin, schließlich geht es um den inneren Kern!

Bei dieser Inszenierung von Robert Schuster zu den Bad Hersfelder Festspielen kullern einige rote Zwiebeln über die Bühne. Witzige Idee und davon gibt es aus meiner Sicht etliche.

 

Die Zwiebel hat keinen Kern

 

Was darf ich hoffen? Peer Gynt erkennt, dass er als selbstsüchtiger Genussmensch, als Aufschneider, dem jedes Mittel recht ist, nicht weiter kommt. Tragisch! Und so passend im Hier und Jetzt. Die Zwiebel hat keinen Kern. Der Ich-Verwirklicher ist ein Träumer.

Zu dieser Inszenierung gibt es von mir viel Applaus. Mutig, sehr modern und ja, in den ersten Momenten mit etwas zu viel Klamauk à la Tamtambrimbamborium finden sich die Schauspieler bald sehr in dieser skurrilen Geschichte ein. Das Theater als Spiel, mit Phasen der Wirklichkeit. In Bad Hersfeld laufen Tweets im Hintergrund, die Sätze sind oft sehr schnell gesprochen und Worte wie „Profil“ und „Plattform“ sind nicht für alle Zuschauer konkret fassbar. Manch Pose dieses Peer Gynt lässt an Donal Trump denken. Somit zieht sich der rote Faden durch diesen Abend. Das Bühnenstück nimmt sich der Wahrheit an.

 

 

Peer Gynt und die rote Zwiebel

 

Die Aufschneidereien, selbst die Schlägereien werden Peer Gynt nicht übel genommen. Was ist das für ein Teufelskerl? Einer, der sich Alles erlauben kann. Er lügt, betrügt und verstrickt sich immer mehr. Ibsen wird interpretiert, doch die Figur bleibt sich treu. Der junge Mann landet auch hier im Schauspiel hinter den Mauern eines Irrenhauses. Da könnte der geneigte Zuschauer auf Ideen kommen. Doch nun genug. Ibsen und Gynt das war ein fabelhafter Abend. Ich habe es sehr genossen. Vielen Dank!

Ein Theaterstück mit Tiefe. In meinem Kopf machen sich etliche Fragen breit: Kann ich frech, wild und wunderbar sein? Wenn die Zwiebel keinen Kern hat, wo steckt dann meiner?

Sind fünf Jahre genug um sein altes Leben hinter sich zu lassen? Lassen sich Sehnsüchte und Wirklichkeit koppeln? Geben Zweige und blühende Blüten wirklich Kunde über den Zustand der Wurzel?

Könnten Peer Gynt und die rote Zwiebel ein Synonym für (m)einen Weg sein? Lass die Hüllen – also in diesem Fall – die Pelle runter!

Gucken wir gemeinsam nach vorn. Schauen wir was die nächsten Wochen bringen. Ich nehme Dich mit an den Fluß. Vielleicht auch auf den Berg. Sei gespannt und bleib mir gewogen; nicht nur bis nächsten Mittwoch …

 

Katrine Lihn – frech, wild und wunderbar (das entscheiden Andere 😉 )

 

Ach und ja, ein Rezept steht noch aus: Rotes Zwiebelmus – rote Zwiebeln in Sonnenblumenöl andünsten, mit einem Esslöffel Puderzucker karamellisieren,  ein Lorbeerblatt dazu geben und vier Wacholderbeeren andrücken und ebenfalls dazu geben. Einen Esslöffel Balsamico angießen; langsam köcheln lassen, mit Salz und eventuell noch etwas braunem Zucker abschmecken. Den Kick gibt ein guter Portwein; diesen sanft unter die Zwiebelmasse rühren. Wenig ist mehr … viel Freude beim Schnabulieren!

 

… 

Und seit Mai ist es ein Muss nach DSGVO: #unbezahlte Werbung weil ich Namen nenne, der Text eine Verlinkung enthält und was sonst noch so anfällt …

Peer Gynt und die rote Zwiebel

2 thoughts on “Peer Gynt und die rote Zwiebel

  • 8. August 2018 at 10:36
    Permalink

    Hallo Katrine Lihn,
    danke für den interessanten Bericht. So ein Zwiebelgericht haben ich mal in Italien mit Genuss verzehrt. Da waren die Zwiebeln allerdings nur in Streifen geschnitten und dann entsprechend zu einer Art „Gemüse“ verarbeitet und wurden mit Büffelmozzarella serviert. Ein Gedicht!
    lg Johanna

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    • 10. August 2018 at 16:09
      Permalink

      Danke Johanna, für Deine Zeilen. Ja, mit roten Zwiebeln lässt sich so viel guter Genuss zaubern.
      Bin gespannt, ob Du dieses Mus ausprobierst.
      Liebe Grüße von Katrine

      Reply

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